DEGEN DE1103

Ein Weltempfänger aus der VR China - Ein Wundergerät oder doch nur ein "normales" Radio??

Dieser Sache musste ich auf den Grund gehen. Hier meine Erfahrungen:

Das Gerät

Als ich das Radio auspackte, war mein erster Gedanke: Klein, robust und solide verarbeitet! Dieser erste Eindruck sollte mich nicht enttäuschen. Klein ist er ja schon, der DE1103, kleiner als beispielsweise der SONY ICF-7600 DS.  Ein großes Display zeigt neben der digitalen Frequenzanzeige auch eine analoge Skala, die dem Gerät ein sehr  interessantes Aussehen verleiht. 
Eine detaillierte Aufzählung aller technischen Details sowie eine ausführliche Beschreibung ist auch auf auf der Homepage der Fa. Thieking unter  http://www.thiecom.de/thieking/de1103/index.htm nachzulesen. Für den deutschen Markt verbreitet die Fa. Thieking in Bremen dieses Radio für ca. 140 €.
Im Lieferumfang sind eine Wurfantenne mit 3,5mm Klinkenstecker, ein Ohrhörer, ein Steckernetzgerät, 4 AA NiMH-Akkus und ein Schutzbeutel enthalten. Die Akkus lassen sich im Gerät wieder aufladen!


Frequenzbereiche

UKW:      76 - 108 MHz
LW:      100 - 519 kHz
MW:     520 - 1710 kHz
KW:    1711 - 29999 kHz

Der DE1103 ist, wie auch auf dem Analog-Teil der Skala zu sehen ist, in zehn Kurzwellen-Bänder unterteilt, die einzeln (mittels „Band+/Band-’’ -Taste) abgerufen und durchgescannt werden können. Hinzu kommt noch das UKW- und Mittelwellenband. Frequenzen, die außerhalb dieser Bänder liegen, müssen manuell über die Zahlentastatur eingegeben werden. Gleiches gilt für die Langwelle. Warum man die LW nicht auch auf der Skala integriert hat, kann ich nicht nachvollziehen, denn dadurch entsteht auf den ersten Blick der Eindruck, dass dieser Wellenbereich nicht empfangen werden kann. Das Radio ermöglicht den Einseiten(SSB)-Empfang auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle. 


Frequenzeingabe

Für die Frequenzeingabe beim DE1103 gibt es drei Möglichkeiten:

(1) Direkte Frequenzeingabe. Hierzu nutzt man die unterhalb des Displays befindliche, horizontal ausgelegte Zahlentastatur. Um die gewählte Frequenz zu aktivieren, drückt man anschließend auf die „Band+’’-Taste für AM oder die „Band-’’-Taste für FM/UKW.

(2) Automatischer Senderdurchlauf. Nachdem man mit „Band+’’ oder “Band-’’ das entsprechende Rundfunkband ausgewählt hat, hält man die entsprechende Taste weiter gedrückt und nach einigen Sekunden beginnt das Gerät mit dem Durchlauf. Bei starkem Sendesignal stoppt der Scan für drei Sekunden. Bei diesem Modus betragen die Abstimmschritte im Lang- und Mittelwellenbereich 1 kHz; bei Kurzwelle 5 kHz und bei UKW 100 kHz.

(3) Bei der manuellen Sendersuche bedient man sich des großen Abstimmrades an der rechten Seite des Gerätes. Wird das Ende eines Bandes erreicht, schaltet das Gerät automatisch an dessen Beginn zurück. Hier noch mal der Hinweis, dass außerhalb der vorgegeben Rundfunkbänder nur eine direkte Frequenzeingabe mittels der Zahlentatstur möglich ist. Die Abstimmschritte betragen bei dieser Variante 1 kHz bei LW/MW/KW und 25 kHz bei UKW. Dies erachte ich als sehr DXer-freundlich, erlaubt es doch eine relativ zuverlässige Feinabstimmung auch im AM-Modus!


Empfangsergebnisse

Zunächst einige allgemeine Hinweise: Der wide-narrow Filter des DE1103 ist sehr wirkungsvoll. Nachbarkanalstörungen im "narrow"-Modus sind ein Fremdwort, selbst wenn es sich bei der Nachbarfrequenz um die des örtlichen MW-Senders handeln sollte! Die Störungen halten sich aber auch im "wide"-Modus in erträglichen Grenzen. Die sehr hohe 1. ZF von 55,845 MHz sorgt auf Kurzwelle für ein sehr ruhiges Empfangsverhalten.

MW
Auf Mittelwelle ist der DE1103 wirklich sehr gut. Eine hervorragende Trennschärfe macht einen "Spaziergang" in diesem Wellenbereich zum Vergnügen. Wie schon erwähnt, wird diese Trennschärfe im "narrow"-Modus noch einmal optimiert, allerdings um den Preis eines doch recht dumpfen Klangbildes.  Da aber die Praxis gezeigt hat, dass z.B. der Empfang auf 864 kHz (France Bleu Paris) durch den Ortssender 873 kHz (AFN) auch im "wide"-Modus störungsfrei vonstatten geht, kann man es bei dem breiteren Filter durchaus belassen ;-) Die Ferrit-Antenne zeigt eine ausgezeichnete Richtwirkung. 

UKW
Der Empfang auf UKW ist trotz der werksseitig eingebauten breiten Filter erstaunlich trennscharf. Mein "Härtetest" 92,3 MHz (WDR2, Sender Wittgenstein) gegen 92,4 MHz (DLF Hanau) ergab keinerlei gegenseitige Beeinträchtigungen, was mich sehr erstaunte! Überhaupt bringt der DE1103 jede Menge weiter entfernte Stationen gut herein. Haarig wird es leider bei den Ortssendern, die gleich mehrere Nachbarfrequenzen platt machen. Da ist es schon fast ein Muss, schmalere Filter einbauen zu lassen, sofern man das Gerät auch zum UKW-DXen benutzen möchte. Aber auch mit der Grundausstattung lassen sich recht beachtliche Empfänge ausmachen. Was auch gut ist: Der UKW-Bereich beginnt bereits bei 76 MHz!! 

KW
Ja, die Kurzwelle!! Hier hat sich nun gezeigt, was das kleine Teil alles vermag. Mit der Telekopantenne lassen sich die starken Sender mühelos empfangen. Bei den schwieriger zu empfangenden Stationen versuchte ich es mit der mitgelieferten Wurfantenne und war völlig aus dem Häuschen. Jede Menge, ansonsten kaum hörbarer, Sender kamen mit einem Supersignal herein. Mutig geworden, schloss ich meine Kurzwellen-Loop-Antenne an den DE1103 an. Keine Übersteuerung starker Signale, wie ich das von anderen Weltempfängern dieser Größenordnung gewohnt bin! Die hohe 1. ZF macht sich hier wirklich wohltuend bemerkbar. Spiegelfrequenzen habe ich bislang auch noch nicht gehabt. Im SSB-Modus lassen sich Volmet- und AFU-Stationen wunderbar verfolgen. Die Frequenzstabilität ist ausgezeichnet; selbst nach einer halben Stunde SSB-Empfang musste nicht nachjustiert werden!

LW
Was für die Mittelwelle gesagt wurde, trifft mit Einschränkungen auch auf die Langwelle zu. Die Ferrit-Antenne ist hier aber leider nicht optimal für den LW-Empfang ausgelegt und die Signale kommen desjhalb relativ schwach herein. Trotzdem sind die allgemein in unseren Breiten hörbaren Sender problemlos empfangbar. Dafür beginnt dieser Wellenbereich, anders als bei den meisten Geräten, bereits bei 100 kHz und so können z.B. Wetterfaxe vom Sender des Deutschen Wetterdienstes in Pinneberg (147,3 kHz) empfangen und mit der entsprechenden Software via PC dekodiert und ausgedruckt werden (Der Beginn eines neuen Hobby´s ???). Über einen Line-Out Anschluss verfügt der DE1103 ja...

 

Bedienelemente

An der Frontseite oben links befinden sich drei Tasten: M/F (Speicherauswahl), Store (Speichern) und Volume (diese Taste muss zunächst gedrückt werden, bevor man mit dem Abstimmrad die Lautstärke einstellen will). Ist das Gerät ausgeschaltet, dienen diese Schalter zum Aktivieren der beiden Alarmfunktionen beziehungsweise zum Aufladen der NiMH-Akkus.

Unterhalb des Frequenzdisplays und der zehn Zahlentasten hat es noch einmal sechs Tasten: Der An-/Aus-Schalter, der, ebenfalls in Verbindung mit dem Abstimmrad auch die Dauer der Abschaltzeit im Sleep-Modus festlegt, Hold (Aktivieren der Tastatursperre), Time (Hier lässt sich beim ausgeschalteten Gerät zusammen mit dem Abstimmrad die Zeit einstellen; bei eingeschaltetem Radio wird für kurze Zeit die aktuelle Zeit anstelle der Frequenz angezeigt), SSB (bei UKW als Stereo/Mono-Umschalter), Band- (führt zum nächst niedrigeren Rundfunkband und dient bei manueller UKW-Frequenzeingabe als Enter-Taste), Band+ (führt zum nächst höheren Rundfunkband und dient bei manueller LW/MW/KW-Frequenzeingabe als Enter-Taste)). Band+ und  Band- aktivieren außerdem bei längerem Drücken den Autoscan des gerade eingestellten Bandes.

                                                       

An der linken Geräteseite finden wir den Anschluss für eine externe MW/KW-Antenne, den Lokal/DX-Umschalter, sowie die Anschlussbuchsen für Kopfhörer und Netzteil.

Rechts haben wir das (multifunktionale) Abstimmrad, den Umschalter für die Filterfunktionen (schmal/breit) die Feinabstimmung für den SSB-Empfang, die Line-Out-Buchse und daneben den Schalter für die Display-Beleuchtung. An der Gehäuserückseite ist das Batteriefach und ein kleiner Aufsteller, den man mit Vorsicht behandeln sollte ;-) 

 

Was sonst noch??

Mir persönlich gefällt die zweigeteilte Analog-/Digital-Skala sehr gut, obwohl der Analogteil eigentlich überflüssig und nur schmückendes Beiwerk ist. Der Zeiger ist im Übrigen überhaupt nicht vorhanden. Vielmehr handelt es sich um eine LED-Linie, die ganz grob die digital angezeigte Frequenz wiedergibt und bei ausgeschaltetem Gerät verschwindet. Eine nette Spielerei halt, die mir aber ein wenig das Gefühl längst vergangener DX-Zeiten zurückgibt. Das mit der Lautstärkeeinstellung ist zugegebenermaßen etwas unglücklich gelöst, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran. Das Abstimmrad ist für meine Begriffe etwas zu leichtgängig, aber auch da stellt sich nach einigen Missgriffen schnell ein Gewöhnungseffekt ein.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die Empfangseigenschaften einem Sangean ATS-909 ebenbürtig und teilweise sogar besser sind (auf KW). Die geringen Abmessungen des Radios machen den DE1103 zu einem idealen Reisebegleiter.
Die "traditionellen" Hersteller von Weltempfängern, wie Sony, Sangean und Co. haben mit dieser kleinen, aber feinen Geräteschmiede aus China einen ernstzunehmenden Konkurrenten gefunden.

Nachdem ich Modifizierungen durch Jürgen Martens habe vornehmen lassen (80-kHz-Filter für UKW, 2,8/narrow und 5/wide kHz-Filter für AM) habe ich eine DX-Maschine im Haus, die mich jederzeit unterwegs begleitet.