Empfang auf Lang- und Mittelwelle
Allgemeines
Der Bereich der Mittelwelle
erstreckt sich von 531 kHz bis 1611 kHz. Dieser Bereich ist
wiederum in ein Frequenzraster von 9 kHz unterteilt, sodass man,
ausgehend von der "Startfrequenz" 531 kHz, alle 9 kHz
einen neuen Sendekanal findet (531, 540, 549, usw...). Auf dem
amerikanischen Doppelkontinent ist dieses Frequenzraster auf 10
kHz ausgelegt, beginnend von 540 bis ca. 1700 kHz.
In Europa tummeln sich zwischen 1620 bis 1710 kHz besonders an
Wochenenden zahlreiche illegale Stationen, vorwiegend aus den
Niederlanden und Griechenland. Da in diesem Bereich keine Störungen
durch andere Stationen zu erwarten sind, genügt schon ein Winz-Sender,
um sich international Gehör zu verschaffen.
Die Langwelle ist theoretisch
ebenfalls in ein 9-kHz-Raster unterteilt und umfasst die Bereiche
zwischen 151 kHz und 279 kHz. Wie gesagt, theoretisch... Denn die
Ausnahme dieser Theorie bildet in Mitteleuropa die Frequenz 180
kHz! Hier musste eine Frequenzsplittung vorgenommen werden, da
ansonsten zwei von Deutschland aus sendende Langwellenstationen
die gleiche Frequenz genutzt und sich somit gegenseitig heftigst
gestört hätten. Deshalb hat man den Sender Zehlendorf (Programm:
DeutschlandRadio Kultur) auf 177 kHz verlagert, während der
Sender Saarlouis (Nutzer: Europe 1) auf 183 kHz "verschoben"
wurde. Das ist leider auch nicht das Gelbe vom Ei, denn es immer
noch leichte, gegenseitige Beeinträchtigungen. (Für den
seltenen Fall, dass beide Stationen mal nicht senden, ist mit
etwas Glück auf 180 kHz ein türkischer Sender hörbar).
In Nord- und Südamerika ist die Langwelle beim Hörfunk nicht
gebräuchlich und in den USA ist sie noch nicht einmal dafür
zugelassen.
Empfangsbedingungen - ein kleiner Ausflug zur Kurzwelle
Grundsätzlich strahlen alle
Radiosender elektromagnetische Wellen aus, die man in drei Arten
unterscheiden muß: Raum-, Troposphären- und Bodenwellen. Die
Troposphärenwelle hat für den Mittelwellenempfang praktisch
keine Bedeutung, also vergessen wir sie ganz schnell wieder. Um
die anderen zwei Ausstrahlungsarten besser darstellen zu können,
machen wir zunächst einen kurzen Ausflug zur Kurzwelle, dem
"klassischen" Wellenbereich für Fernempfang:
Bodenwellen "kriechen", vom Sender abgestrahlt, entlang
der Erdoberfläche, wobei ihre Feldstärke mit zunehmender
Distanz kontinuierlich abnimmt, bis nix mehr zu hören ist. Das
kann bei Kurzwellensendern, je nach Sendefrequenz, schon nach 50
km Entfernung der Fall sein. Das ist aber nicht weiter tragisch,
da die Bodenwellen ohnehin nur ein unvermeidlicher "Nebeneffekt"
sind. Schließlich sucht der Betreiber eines KW-Senders seine Zuhörerschaft
nicht in der nächsten Kreisstadt, sondern schon etwas weiter
weg, möglicherweise sogar auf der anderen Seite der Erdkugel.
Da kommen dann die Raumwellen ins Spiel: Diese erheben sich ab
Sender fast ohne Reibungsverluste in die Lüfte, bis sie entweder
von bestimmten Ionosphäreschichten reflektiert werden oder in
die unendlichen Weiten des Alls entweichen. Die reflektierten
Raumwellen werden, nachdem sie zur Erde zurückgelangen, wieder
nach "oben" abgestrahlt und erneut von der Ionosphäre
reflektiert, und so weiter... Durch diese Raumwellenreflexion könnte
man theoretisch auf Kurzwelle rund um die Uhr alle Stationen der
Erde empfangen. Aber: Hier gibt es noch andere Faktoren, wie z.B.
die Anzahl der Sonnenflecken, die Einfluss auf die Eigenschaften
der Ionosphäre haben, und die so genannten "Toten Zonen",
wo Bodenwellen nicht mehr und Raumwellen noch nicht gehört
werden können. Dies soll hier aber nicht weiter thematisiert
werden, ich denke, das folgende Schaubild kann dies besser
verdeutlichen:

Ausbreitungsschema
bei Kurzwellen
Die Empfangsverhältnisse auf der Kurzwelle sind sehr unterschiedlich. Schließlich erstreckt sich die Kurzwelle über einen Bereich von 2 bis 30 MHz. Wer Näheres über über die Empfangsmöglichkeiten auf diesem Wellenbereich wissen möchte, klickt bitte hier.
Lang- und Mittelwelle
Bei Lang- und Mittelwellensendern gibt es auch diese
unterschiedlichen Abstrahlmodi, aber mit einem wesentlichen
Unterschied: Am Tag kann man hier gerade mal die wenigen
nahegelegenen Sender im Umkreis von bis zu 200 km (Mittelwelle)
bzw. 1000 km (Langwelle) einigermaßen vernünftig empfangen.
Dann haben wir es mit Bodenwellenempfang zu tun. Wie wir schon
wissen, kann eine Bodenwelle nur in einem begrenzten Bereich rund
um einen Sender gehört werden, wobei hier die Höhe der
Sendefrequenz sehr wichtig ist, denn je kleiner diese Frequenz
ist, desto weiter reicht auch deren Bodenwelle. Aber auch die
Sendeleistung sowie die elektrische Leitfähigkeit des Geländes,
welches die Bodenwelle überbrücken soll, ist von entscheidender
Bedeutung.
So fallen beispielsweise die Bodenwellen relativ schwacher MW-Sender,
sofern sie überwiegend feuchtes Areal (z.B. Meeresoberflächen)
überqueren, noch in 100 Kilometern Entfernung derart stark am
Empfangsort ein, dass sie fast Ortssenderqualität haben, während
ein 1000 kW-Sender in der staubtrockenen arabischen Wüste bei
gleicher Überbrückungsdistanz schon deutlich spürbare Feldstärkenverluste
aufweist.
Die Raumwellen von LW/MW-Sendern
werden dagegen tagsüber vollständig von der Ionosphäre
absorbiert und bleiben somit unhörbar. Das ändert sich gegen
Sonnenuntergang jedoch dramatisch!! Dann können die Raumwellen
bis in Schichten der Ionosphäre dringen, die in der Lage sind,
diese Wellen zu reflektieren und potzblitz ist es überhaupt kein
Problem mehr, Sender zu hören, die 2000 km und weiter vom
Standort des geneigten Hörers entfernt sind.
Auf Langwelle ist dies prinzipiell auch so, jedoch sind die
Unterschiede zwischen Tag- und Nachtempfang hier vernachlässigbar
gering, da durch die niedrigen Sendefrequenzen die Bodenwelle
allein schon riesige Entfernungen zu überbrücken vermag. "Tote
Zonen" wie beim Kurzwellenempfang sind deshalb auch bei der
LW/MW kein Thema.
Für den Fernempfang auf diesen
Wellenbereichen ist naturgemäß das Winterhalbjahr optimal, da
es dann relativ lange dunkel ist. In unseren Breiten liegen in
dieser Zeit große Gebiete fast vollständig im Dunkeln, sodass
bei sehr guten Ausbreitungsbedingungen gelegentlich auch
Stationen aus Übersee oder Fernost gehört werden können. Und um
Dezember/Januar herum ist bisweilen sogar ganztags durchgängiger Raumwellenempfang
möglich.
Doch auch in der warmen Jahreszeit hat MW-Fernempfang seine Reize:
An lauen Sommerabenden geht ja bekanntlich auch irgendwann einmal
die Sonne unter. Dann erschließt sich uns wieder das ganze
Spektrum exotischer MW-Stationen und man kann dann seinem Hobby
sogar im Freien, fernab von störenden Energiequellen, frönen...
Über Ausbreitungs- und Empfangsbedingungen könnte hier noch viel mehr geschrieben werden, aber ich verzichte bewusst darauf, dieses Thema wissenschaftlich zu vertiefen, um hier niemanden abzuschrecken. Schließlich soll Radiohören vor allem Spaß machen. Wer jetzt aber neugierig geworden ist und mehr hierüber erfahren möchte, dem sei das Buch von Gerd Klawitter. "Rundfunk auf Mittelwelle", erschienen im Siebel-Verlag, D-53340 Meckenheim, empfohlen. Neben ausführlichen Beschreibungen zur Geschichte des Rundfunks, einigen Senderportraits und detaillierten Tips für den MW-Empfang sind auch zwei Frequenzlisten enthalten. Eine davon enthält Sender, die problemlos auch mit einfachen Empfängern zu hören sind.
Zukunft der Mittelwelle
In Zeiten von HiFi-Stereo,
Digital- und Internetradio im Internet sollte man meinen, dass
die qualitativ nicht immer befriedigende Mittelwelle ausgedient
hat und eigentlich der Vergangenheit angehören müsste. Leider ist der Trend,
Ausstrahlungen auf Mittelwelle komplett einzustellen, nicht zu überhören.
Beispielsweise haben sich
Österreich, die Schweiz, Dänemark und Schweden fast komplett von der
Mittelwelle zurückgezogen, Norwegen will diesem Beispiel bis spätestens
2012 folgen. Auch in Deutschland haben der HR und Radio Bremen ihre Sender
abgeschaltet; der SWR wird diesen Schritt zum Jahresende 2011 vollziehen. In
anderen Teilen Europas ist aber die Mittelwelle weiter lebendig und
Abschaltungen sind (vorerst) nicht zu befürchten.
Zuvor wurde bekanntlich viel experimentiert auf der Mittelwelle. DRM - dieses Kürzel stand zum Beispiel für digitale
Sendetechnologie auf Kurz-, Lang- und Mittelwelle. Ein entsprechendes Empfangsgerät vorausgesetzt,
hätte man
auf einigen Frequenzen DRM-Sendungen in digitaler und weitgehend
störungsfreier Qualität hören können. Wie gesagt - hätte...
Mittlerweile ist das
Experiment DRM prachtvoll in den Sand gesetzt worden. Näheres hierzu und insbesondere was ich
persönlich von der DRM-Technologie halte, ist unter dem Thema
"DRM" auf dieser Homepage nachzulesen.
Es werden aber nach wie vor Programme angeboten, die nur auf MW zu hören sind, wie
beispielsweise Antenne Saar in Deutschland oder TalkSport in Großbritannien. Und
die Abschaltung von Mittelwellenstationen gibt uns auch die Chance,
bislang unhörbare Stationen zu entdecken.
Wer nach Paris kommt, wird feststellen, dass das Musikprogramm
"France Bleu" auf 864 kHz sogar in Stereo sendet. Großer
Wermutstropfen bei der Sache: Um ein analoges MW-Stereoprogramm
auch in Stereo "genießen" zu können, benötigt man
wiederum spezielle Empfänger und die werden kaum angeboten. Außerdem
stößt die niedrige Bandbreite eines herkömmlichen MW-Senders
in puncto Klangqualität ganz schnell auf seine Grenzen. Trotz-
und alledem: Es werden viele besondere (und hörenswerte)
Programme auf der MW angeboten. Eine Wellenjagd lohnt hier
allemal!
Und die Langwelle?
Hier ist es relativ ruhig, obwohl die LW quasi die "Urmutter" des Rundfunkempfangs war, denn hier wurden vor 80 Jahren die ersten Radiosendungen überhaupt ausgestrahlt (auch Marconi betrieb erfolgreich mit einem Mini-LW-Sender transkontinentale Sendeversuche). Heute wird in unseren Breiten die LW überwiegend von französischsprachigen Programmen, wie France Inter, Europe1, RMC und RTL benutzt, da in unserem Nachbarland dieser Wellenbereich nach wie vor eine große Popularität besitzt. Darüber hinaus strahlen viele Stationen in Nordafrika und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ihre Programme auf LW aus, da bei den niedrigen Sendefrequenzen ein einziger Großsender ausreicht, um ein Gebiet von der Größe der Bundesrepublik versorgen zu können. Wenn man sich darüber hinaus die geographischen Gegebenheiten insbesondere der letztgenannten Länder vor Augen führt, ist die Langwelle dort sicherlich auch sinnvoll.
Doch auch in Deutschland wird auf LW gesendet! Zwei leistungsstarke Sender des Deutschlandfunks übertragen hier ihr Programm weit über die Landesgrenzen hinaus und in Zehlendorf bei Berlin versorgt DLR Berlin zumindest den nordöstlichen Teil der Republik mit seinem Programm.
Die LW-Sender auf den britischen Inseln sind (mit Ausnahme der BBC, die hier mit dem Programm Radio 4 vertreten ist) momentan ebenfalls im Umbruch; hier wird sich demnächst einiges tun. Über die weiteren Entwicklungen auf der LW werde ich natürlich in den AM-Neuigkeiten berichten.
Interessiert?
Dann schnell das Küchenradio
geschnappt, einschalten, am Senderknopf drehen und staunen, was
schon mit diesen einfachen Empfängern alles zu hören ist. Wenn
es etwas professioneller sein soll, bitteschön: Ab in den nächsten
Elektronik-Fachmarkt und einen Weltempfänger gekauft! Bereits ab
100 - 150 bekommt man hier Geräte mit vernünftiger
Ausstattung (Seid aber den Verkäufern nicht böse, wenn sie hier
keine qualifizierte Beratung liefern können, denn es handelt
sich hier um ein absolutes Nischenprodukt). Eine aktuelle
Senderliste ist auch zu empfehlen, denn schließlich will man ja
auch wissen, was man wo hören kann. Hier bietet der Siebel-Verlag mit dem jährlich neu aufgelegten Buch
"Sender und Frequenzen" ein umfassendes Nachschlagewerk
an, weswegen es auch hin und wieder als die "Bibel der
Wellenjäger" bezeichnet wird.
Aber auch das Internet bietet viele interessante Seiten, die
neben viel Hintergrundinformationen auch laufend aktualisierte
Senderlisten enthalten. Hier besonders zu empfehlen ist der
"European Medium Wave Guide" der unter http://go.to/emwg zu finden ist.
Zum Schluss bleibt mir nur noch, viel Spaß beim Hobby zu wünschen und natürlich jederzeit guten Empfang!